Atlantic Festivals of Music 2019

am

Es war ein kalter und regnerischer Morgen. Tot. Das würde es am besten beschreiben. Kein Anzeichen von Leben auf den Straßen Bridgewaters. Kein Vogel am Himmel. Man könnte meinen der Weltuntergang stand kurz bevor…

Nein Spaß, es hatte 15 °C. War ein schöner Morgen. Und Vögel waren auch am Himmel. Autos und Menschen waren ebenfalls unterwegs. Ich habe euch einen Bären aufgebunden. (Das war jetzt natürlich nur metaphorisch gemeint. Ich könnte euch niemals einen Bären aufbinden. Bären sind viel zu groß und gefährlich, um sie an einen Menschen anzubinden. Außerdem wäre das sehr stressig für den Bären. Bitte glaubt nicht, dass das möglich wäre!)

Eine Sache meines kurzen Prologes stimmt jedoch – Es war Morgen. Und zwar der Morgen des 3. Mai 2019, als ich und alle anderen Schüler der PVEC Concert Band nach Halifax aufbrachen um an den Atlantic Festivals of Music 2019 teilzunehmen. Bei dieser jährlich stattfindenden mehrtägigen Veranstaltung messen sich unter anderem High School Bands aus ganz Nova Scotia, um herauszufinden wer die bestesteste Schulband auf von der ganzen Welt ist. Und genau dieses Wertungsspiel-ähnliche Ereignis fand am 3. Mai 2019 statt.

Um 9:45 Uhr legte der Bus ab und setzte Segel Richtung Halifax. Während der Fahrt hatte ich endlich die Gelegenheit meine Bandkollegen besser kennen zu lernen und kam mit einigen Kanadiern und Kanadieretten ins Gespräch. Meine Angst, dass ich die meiste Zeit irgendwo weinend in der Ecke sitzend würde war somit verschwunden.

Ungefähr eine Stunde später erreichten wir die Mount Saint Vincent University in Halifax, Nova Scotia, Kanada, Nordamerika, Erde, Sonnensystem, Milchstraße, Universum. Der erste Punkt auf unserer Agenda waren Instrumenten-spezifische Workshops. Da wir aber zu spät los fuhren, kamen wir auch zu spät an und verpassten die erste Viertelstunde. Aber keine Panik! KEEEINNNEEEEE PANIK!!! Wir hatten denselben Workshop am Nachmittag noch einmal.(warum auch immer). Auch wenn der Workshop nicht viele neue Themen behandelte, bin ich jetzt trotzdem motivierter, meine Posaunen-Skills zu verbessern.

Als der Workshop vorbei war gingen wir in die Mensa, wo bereits ein kleines Buffet auf uns wartete. Wir schnabulierten die nahrhafte Kost wie im Nu, und ein Keksi danach gehörte natürlich auch noch dazu. Nach einer kurzen Verdauungspause hatte ich ein Dejà-vu-Erlebnis, wie ich es noch nie zuvor gehabt hatte. Ihr werdet es nicht glauben. Wir saßen gerade in einem Workshop und ich dachte mir, dass ich das alles schon einmal gesehen und gehört habe 😲 Was uns unser eigenes Gehirn manchmal für Streiche spielt…ein Wahnsinn.

Es war bereits 3:00 Uhr, als der Workshop endete. Nur noch eineinhalb Stunden, bis wir vor die Jury treten müssten. Meine Aufregung stieg exponentiell, ausdrückbar mit der Formel

wobei x für die Uhrzeit (im 24-Stunde-Format) steht und die Aufregung in cm ausgedrückt wird.
(Herr Direktor, wenn sie das lesen, dann möchte ich mich aufrichtig bei Ihnen entschuldigen, sollte diese Formel falsch sein. Sie sind ein toller Lehrer, und es liegt nicht an Ihnen, sondern an mir…)

Vor unserem Auftritt hatten wir noch die Gelegenheit uns kurz einzustimmen, bis die ganze Band wie eine Schar singender Engel klang. Und dann. Dann war es so weit! Wir betraten die Bühne mit höchster Professionalität, nahmen unsere Plätze ein und spielten. Wir spielten und spielten und spielten. Und spielten. Bis wir nicht mehr spielten, weil wir fertig waren.

Unser Auftritt war okay. Nicht Goldsternchen-ausgezeichnet, aber es war Silber-Pokal-okay. Nach unserem Auftritt kam eine der Jurorinnen – eine äußerst renommierte Universitätsprofessorin und Dirigentin, die mehrere Orchester, Bands und Jazz-Bands leitet – zu uns, und gab uns unsere Trophäe und Feedback zu unserem Auftritt. Sie war zufrieden mit unserer Präsentation, gab uns aber auch viele äußerst hilfreiche Tipps, wie wir unsere Darbietung verbessern könnten.

Der Druck, bei der Wertung gut abschneiden zu müssen war endlich vorbei. Jetzt gab es nur noch einen Druck. Und zwar den im Bauch, wenn man zu viel Pizza gegessen hat. Die Kartons standen bereits im Café und aus ihnen strömte ein köstlich duftendes Aroma, das den ganzen Raum füllte. Wir füllten unsere Mägen, denn einige würden an dem Abend noch viel Energie benötigen. Und zwar für den Dance.

Aber vor dem Dance stand noch etwas anderes Programm. Son Latino. Die kolumbianisch-kubanisch-mexikanisch-kanadische Band zeigte uns die Welt der lateinamerikanischen Musik und des Tanzes. Diese Einladung nahmen viele Jugendliche – darunter vor allem pubertierende Jungs, die das Bedürfnis haben, ihr Ego noch weiter aufzublasen, obwohl es ohnehin schon die Größe eines Heißluftballons hat – begeistert an und präsentierten ihre Tanzkünste.

Doch die eigentliche Zeit des Tanzes war noch nicht gekommen. Die stand erst bevor. Nachdem Son Latino die Bühne verlassen hatte, brach das Publikum ebenfalls auf, und wanderte zu einem anderen Gebäude, wo bereits alles für den Dance vorbereitet war. Glücklicherweise gab es für die weniger begeisterten Tänzer (mich!🙋‍♂️) eine Alternative – und zwar Live-Musik. In einem etwas kleineren Raum traten zwei sehr gute Alternativ-Bands auf und präsentierten ihr Gesangstalent. Man könnte sagen, dass es Alternativ-Alternativ-Musik war. Könnte man auf jeden Fall. Wenn man das will.

Um 10 Uhr folgte dann der totale Shutdown. Innerhalb von wenigen Minuten wurden die Massen an Schülern vom Dancefloor gedrängt und schließlich auch aus dem Gebäude. Die Veranstaltung war somit offiziell zu Ende und wir gingen zurück zum Bus. Da ich bereits seit mehr als 17 Stunden auf den Beinen war, freute ich mich schon auf ein kleines Nickerchen während der Fahrt. Anscheinend war da aber ein anderer jemand noch nicht so müde und hatte das Bedürfnis sich um 11 Uhr nachts trotz totaler Stille lautstark zu unterhalten. Glücklicherweise interessierte das meine Müdigkeit recht wenig und ich schlief irgendwann trotzdem ein.

Um 11:30 Uhr legte der Bus wieder vor dem PVEC an. Wir stiegen aus, suchten unsere Instrumente, die mit einem anderen Auto nach Bridgewater geführt wurden und ich ging zum Parkplatz, wo Mike bereits auf mich wartete. Nach einer 20-minütigen Heimfahrt, zog ich meine Schuhe aus (ich erwähne das nur, weil das ein wirklich wirklich schönes Gefühl nach diesem langen Tag war) und huschte in mein Zimmer. Noch schnell ins Bad und umziehen und dann kuschelte ich mich in meine Decke und schloss meine Augen. Das war sooo ein spannender Tag. Den werde ich sicher nicht so schnell vergessen!

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. opa sagt:

    gefällt mir, diese spannende geschichte. opa

    Gefällt 1 Person

    1. Noah Dobrovits sagt:

      Dankeschön! 🙂

      Liken

  2. Michael Krojer sagt:

    Ich habe geschaut, ob es auf Youtube ein Video von der Veranstaltung gibt, aber leider nichts gefunden, zumindest ein Werbevideo der Universität. Dann sieht man wenigstens, wo diese spannende Geschichte entstanden ist…. 🙂

    Gefällt 1 Person

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