Rex‘ Ahornsirup und Christbaum-Farm

Ahornsirup. Die Essenz des Lebens. Flüssiges Gold. Die Ambrosia der Kanadier. Aber woher kommt diese kostbare Flüssigkeit? Ich, Noah Dobrovits – rasender Reporter und überzeugter Ahornsirup-Fan, begab mich gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Schülern (und -innen) auf die Spuren dieses göttlichen Nektars und was ich bei meiner Spurensuche herausgefunden habe, wird Sie aus den Socken, Stiefeln und allen anderen Formen von Fußbekleidung hauen…

Aber von Anfang an – Recherche auf leeren Magen bekommt dem Kreislauf nicht gut. Aus diesem Grund hatte das NSISP (Nova Scotia International Student Program) einen Pancake-Brunch organisiert, bei dem wir bereits in den Genuss von leckerem Ahornsirup kamen. Trotz einer verspäteten Abfahrt kamen wir zu früh bei der Community Hall in Maplewood Parkdale an und unsere Pancakes waren noch nicht fertig. „Glücklicherweise“ hatten die Organisatoren sofort einen Ersatzplan parat. (Haltet mich für verrückt, aber ich habe den Verdacht, dass diese Wartezeit eingeplant war…) Ihre glorreiche Idee war es, alle Schüler nach Ländern beziehungsweise Sprachen zusammengefasst auf die Bühne zu holen und sie zu zwingen, eine Performance zu einem Lied aus ihrem Heimatland vorzuführen. Als dies verkündet wurde, herrschte natürlich große Begeisterung im Speisesaal und wir mussten uns um einen Platz auf der Bühne kämpfen. Wer würde nicht gerne vor 80 Teenagern singen und tanzen…

„All the Germans on the stage“, schrie die Programm-Managerin in einer Lautstärke, als hätte sie ein eingebautes Megaphon, dass an einen Verstärker angeschlossen ist. „and Austria, too…“ fügte sie wenige Augenblicke später noch hinzu. Somit war also meine Hoffnung, dass sie mich vergessen würde, dahin und ich stapfte widerwillig mit meinen anderen Sprachgenossen auf die Bühne. Ich bin auf den folgenden Teil nicht stolz und ich möchte diese Gelegenheit hier nutzen und die Republik Österreich mit all ihren wundervollen Bergen, Strömen, Äckern und Domen und Verzeihung bitten – Ich wollte das nicht. Aber wenn die Entscheidung gefällt wird und ich wegen Hochverrats angeklagt und verurteilt werde, dann werde ich mich meinem Schicksal überlassen.
Da unsere nördlichen Nachbarn in der Überzahl waren, einigten sie sich darauf, die deutsche Nationalhymne zu singen und ich, als einziger Österreicher, konnte dies nicht verhindern.
Und so stand ich da. Inmitten von Deutschen, die nicht einmal den Text ihrer eigenen Hymne konnten. Peinlich…

Glücklicherweise wurden wir schon nach wenigen Minuten von dieser Pein erlöst, als auch die Programm-Managerin die Aussichtslosigkeit dieser Situation erkannt hatte. Wir eilten zurück auf unsere Plätze und verschwanden wieder in der breiten Masse. Nach einigen weiteren „Shows“ kam zum Glück endlich die Mitteilung aus der Küche, dass das Essen fertig sei. Wir standen Tisch für Tisch auf und füllten unsere Teller mit Pancakes und Würstchen. Nachdem diese Delikatesse in unseren Mägen verschwunden war, gab es noch eine Kugel Eis mit Ahornsirup für jeden von uns.

Christbaum-Kadetten

Die Tische wurden aufgeräumt, der Müll entsorgt und dann ging die Fahrt weiter zu Rex.
Rex hat eine 200 Hektar große Farm auf der sowohl Christbäume als auch Sugar Maple Trees (Zucker-Ahorn-Bäume) wachsen. Er führte uns in den Wald hinein, wo er uns die Ursprünge des Ahornsirups zeigte. Und jetzt aufgepasst! Ahornsirup wächst nicht auf Bäumen oder auf Sträuchern, nein! Er entsteht IN Bäumen! Faszinierend, nicht wahr? Kurz zusammengefasst funktioniert der Ablauf wie folgt:

Rex erklärt die Quelle des Ahornsirups

Jeder Baum hat ein kleines Loch in seinem Stamm und ist durch ein kleines Kunststoff-Röhrchen mit der „Ahornsirup-Pipeline“ verbunden. Dieses riesige Netz aus Röhrchen erstreckt sich über den ganzen Hang, bis zur Sugar Shack (Zucker-Hütte). Dort fließt das Zuckerwasser aus allen Bäumen in einen großen Tank, wo es so lange erhitzt wird, bis der Zuckergehalt in der Flüssigkeit von 2 % auf über 60 % und sich die Farbe und Konsistenz ebenfalls verändert. Tadaaaa, fertig ist der Ahornsirup!

In der Sugar Shack

Der Grund, warum Kanada das Ahornsirup-Monopol schlechthin ist, ist schlicht weg das Klima. Bei Temperaturen unter 0 °C wandert der Zucker von den Blättern des Baumes in seine Wurzeln. Wenn die Temperaturen wieder steigen, passiert genau das Gegenteil. Je öfter dieser Vorgang stattfindet, desto höher ist der Zuckergehalt im Wasser und da die Temperatur hier nachts für einige Monate unter 0 °C fällt, ist der Zuckergehalt im Wasser des Baumes besonders hoch, was dem kanadischen Ahornsirup einen einzigartig süßen Geschmack verleiht.

Nachdem wir all diese interessanten Informationen über die Herstellung von Kanadas wohl bekanntestem Produkt erfahren hatten, traten wir wieder unsere Heimreise an und erreichten ungefähr um 2:00 Uhr nachmittags den Ort, an dem unser Ausflug begonnen hatte. Und die Moral von der Geschicht‘, Ahornsirup hilft gegen Diabetes definitiv nicht.

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